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Ein Wanderritt durch die Puszta
Erzählt von Liane Kapitzki

Eine Reiterreise durch Ungarns Puszta

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  Über die Puszta fliegen...
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Endlich da, endlich in der Puszta.
Lange haben wir drei Frauen uns darauf gefreut und nun liegen 12 Stunden Fahrt von Berlin nach Tiszafüred hinter uns. Eigentlich hätten wir nur 10 Stunden gebraucht, aber aufmerksame Grenzer machten mich auf meinen abgelaufenen Ausweis aufmerksam und schickten uns prompt zurück... prima dachten wir, das fängt ja gut an. Gott sei Dank gibt es noch nette Orte mit netten, Kummer gewohnten Standesbeamten, die es selbst an einem Samstag möglich machten, dass ich 2 Stunden später einen "Notpass" in den Händen hielt.

Erleichtert, glücklich und in bester Stimmung ging es dann ohne weitere Zwischenfälle nach Ungarn.

Wir sehen uns sonst nur ein mal die Woche für eine Stunde zum Reitunterricht. Wir, das sind Christel, die sich ihre Fingernägel passend zum Anlass dunkel lackierte , Andrea, unser Küken, die es einfach nicht einsehen will, dass die Gerte nicht nur zum Mücken vertreiben da ist, tja und ich, glücklich eine Woche "familienfreien" Urlaub auf temperamentvollen Pusztapferden zu verleben. Zwischen ca. 2-3 Jahren versuchen wir nun schon die hohe Schule der Reitkunst zu erlernen und wollten wir es dann einfach wissen, weit weg von den kritische Augen unser Reitlehrerin.

Ja, und da waren wir nun, von der Familie Gulyas erwartet und herzlich begrüßt. Wir fühlten uns wohl in der kleinen Pension der Familie und da unser Anreisetag auch zufällig mein Geburtstag war, wurde kräftig mit Palinka ( ungarischer Pflaumenschnaps, scharf aber nach dem 2. Glas lecker und gut verträglich ) angestoßen. Erschöpft und selig fallen wir ins Bett. Morgen werden wir unsere Pferde kennen lernen.

"Du lieber Himmel, ist dieses Pferd groß und wie es mich anschaut?", ich bin aufgeregt und kann den Namen kaum aussprechen –Piszra- , "auf dieses Pferd komme ich nie alleine rauf, oh Gott wird das peinlich".

Unser Reitführer, Papa Kalman Gulyas, hat uns bereits am gestrigen Abend mit erfahrenem Blick die Pferde zugeteilt... und ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, warum ich nun das Große bekomme?, das, welches die Augen rollt und mich skeptischer anschaut als ich ihn. Aber schön ist er, der braune Wallach, und ich wollte ja auf diesen temperamentvollen ungarische Pferden..... Ich versuche ihn mit einem Leckerli zu gewinnen, mobilisiere alle Kräfte und schwinge mich in den Sattel.

Das fühlt sich schon mal gut an, englischer Sattel plus Schaffell..., wir hatten unseren Allerwertesten bestens mit Salbe (Hirschtalg, kann ich nur wärmstens empfehlen) auf die bevorstehende (Tor-) Tour vorbereitet, aber ein Fell macht es doch viel angenehmer. Christel auf Sziszi, eine jüngere braune Stute, Andrea auf Csalfa, eine weiße, ruhige, erfahrene, und wie sich später rausstellte, eigensinnige Stute und unser Chef auf General, ein toller, temperamentvoller schwarzer Wallach....unsere kleine Truppe war komplett. Na ja, nicht ganz, das "Bodenpersonal" gehört natürlich auch dazu, Samu, der unentbehrliche Stallbursche und Kati, Tochter der Familie und Dolmetscherin. Beide werden uns mittags zum Picknick erwarten....falls wir dort jemals ankommen.

Und los ging’s, Schritt, Trab, Galopp, fein hintereinander und unter den wachsamen Augen von Kalman, schließlich kann er nicht wissen wen er da auf seine Pferde gesetzt hat. Als die "Kontrollblicke" einem zufriedenen Lächeln wichen und wir feststellten, dass alle Pferde auf leiseste Hilfen reagierten, wussten wir - jetzt kann der Urlaub beginnen.

 

...entspannt an den Ufern der Theiß-Seen
...entspannt an den Ufern der Theiß-Seen

 

Entlang der Theiß bei schönstem Wetter waren wir dann viel zu schnell auf der Lichtung, auf der Samu und Kati mit dem Picknick warteten (bei späteren Picknicks warteten dann auch ein paar Zecken, so dass wir jedem, der diese Tour machen möchte eine Schutzimpfung empfehlen). Wir essen herrlichen Auflauf, trinken Borsodi, faulenzen auf der Decke, schwatzen und lassen es uns einfach gut gehen.......ja, so haben wir uns das vorgestellt.

Dann kam der Weg zurück, meinem Piszra ging es viel zu langsam in Richtung Heimat und ich fühlte mich viel zu schnell zu sicher, so dass da eins zum anderen kam und ich nach ein paar heftigen Bucklern im Galopp und wahrscheinlich ziemlich blöden "Dressurreiterreaktionen" Bekanntschaft mit dem sattgrünen Theißgras machte. Mein Helm verrutschte, die Kante landete auf meiner Nase. Tja, so kam ich zu meinem ersten "Blauen Auge", obwohl es eigentlich mehr violett war. Piszra schaute mich an als wollte er sagen "...na und, traust du dich noch mal ?", und ich traute mich, nun auch heftigst entschlossen, wenn nötig von der Gerte gebrauch zu machen. Irgendwie merkte er es (oder war es das schlechte Gewissen?) und wir kamen ohne Zwischenfälle, nun allerdings etwas ruhiger zum Gulyashof zurück.

Am nächsten Tag, zur allgemeinen Belustigung mit herrlich erblühtem "Veilchen", hatte ich die Wahl zwischen Piszra und General als Pferd für unseren eigentlichen 260 km langen Ritt durch die Puszta. Erst dachte ich an einen Witz vom Kalman, denn obwohl jeder mit diesem herrlich aussehenden Pferd vom Chef liebäugelte, kam doch niemand wirklich auf die Idee mit diesem Temperamentbündel zu reiten. o.k., dachte ich nicht ohne Bauchkribbeln, take the chance. ....Und ich sollte es nicht bereuen, auch wenn es einige "Meinungsverschiedenheiten" während der Tour zwischen uns gab, so war ich am Ende doch so verliebt in dieses Pferd, dass ich es am liebsten mitgenommen hätte.

Nun konnte es endlich losgehen, unser endgültiges Ziel soll Tokaj sein, die Weinstadt. In fünf Tagen dürfen wir dann auch den berühmten Tokajer kosten, aber bis dahin sind es noch ca. 260 km. Unsere heutige Etappe wird in Hortobagy enden, dem "Tor" zur Puszta.

Es ist bedeckt und sieht verdammt nach Regen aus, wir sind aber zuversichtlich und verzichten auf schweißtreibende Regenkleidung. Es geht entlang an Felder, später nur noch an Weideland. Ab und zu sehen wir Gehöfte und kleinere Schafherden aber je weiter wir uns von der Theiß entfernen, desto weniger sehen wir kultiviertes Land und wir erahnen immer mehr die ersehnte ursprüngliche Weite der Puszta. Im ausgeglichenen Wechsel zwischen Schritt, Trab und Galopp freunden wir uns immer mehr mit den Pferden an und verzeihen ihnen auch ihr stures "Hintern in den Regenschauer strecke und sich nicht mehr bewegen" als wir schließlich doch von einem solchen überrascht wurden. Unser Vormittagsritt verlängerte sich unfreiwillig, als ganz plötzlich eine Brücke nicht mehr an der Stelle war wie noch kurz zuvor. So mussten wir uns halt eine andere suchen. Aber genau solche kleinen "Unvorhergesehenheiten" machten es schließlich aus, dass dieser Ritt nicht so einen furchtbaren straff organisierten Eindruck machte (obwohl er es 100%ig war) und somit den Reiz vergrößerte. Christels Lendenwirbel gaben ihr durch einen fiesen Knacks zu verstehen, dass nun endlich mal an eine Pause zu denken ist, so dass wir dann froh waren als Kalman uns die Csarda zeigte, in welcher wir Mittag essen konnten.

Ziemlich erschöpft (und das jetzt schon!!) tröstete Kalman uns während des Mittagessens mir Storys aus seinen vergangenen Touren, wo noch ganz andere Kerle bereits nach einem Tag völlig fertig waren.

 

...Christel beim "Entlasten"
...Christel beim "Entlasten"

 

Mit Hilfe von Kalman und Samu kam Christel wieder auf Sziszi zum Sitzen "nur nicht schwächeln" ist ihre Devise und weiter ging’s. Der Boden wurde zusehends trockner, Steppe eben und irgendwann wird aus dem Weg ein Pfad, dann nur noch Steppe. Ein Teppich aus lila, gelb und grün breitet sich vor uns aus und nichts unterbricht dieses Bild soweit man schaut, fast wie in einem Gemälde von Monet. Allerdings müssen wir zu unserer Schande gestehen, dass wir 4 Stunden später von all dieser ruhigen Pracht kaum noch etwas wahrnahmen. Christel hob ihren Hintern so weit aus dem Sattel als wenn’s nur noch bergauf geht aber ohne Rückenentlasten (in diesem Fall Christels) ging gar nichts mehr. Andrea lag dann mehr im Sattel, Beine unprofessionell abgespreizt und ich redete nicht mehr so viel.....alles Zeichen totaler Erschöpfung. Und als wir dann Samu die Pferde übergaben, waren wir das erste mal so richtig froh einem Stallburschen die Arbeit überlassen zu können.

Mit undamenhaften Gang stolperten wir ins Hotel, unsere Koffer waren schon auf den Zimmern, und wollten nur noch liegen.

 

... die herrlichen Pausen            ...die herrlichen Pausen

"Völlig normal" sagte Kalman, "aber um 20.30 Uhr treffen wir uns zum Essen". Mit Hilfe einer Flasche Wein und einer warmen Dusche konnten wir dann während des Essens (immer sehr viel Fleisch) schon wieder herzlich über unseren Durchhänger lachen.

Der nächste Tag sah wieder sehr nach Regen aus. "Wollt ihr vielleicht eine Pause heute?", Kalman sah uns besorgt an "es ist normal, dass man nach 2 bis 3 Tagen im Sattel ein Krafttief hat!". Heute steht (mit weiser Voraussicht geplant) nur ein halbtägiger Ausritt in die Umgebung von Hortobagy an und auf den wollten wir natürlich nicht verzichten. Gesäßseitig (dank Hirschtalg) stand dem nichts im Wege, so dass wir, diesmal mit Regenkleidung, in den wohl schönsten Teil der Puszta ritten.

Wir durchquerten endlos weites, sich sanft gegen den Horizont hinschwingendes Weideland, in dem nicht selten Graurinderherden sichtbar werden. Ich fühlte mich absolut wohl und sicher auf meinem General, bis wir einer Rinderherde ziemlich nahe kamen. Diese Graurinder flößen einem, aus der Nähe betrachtet, mächtigen Respekt ein, so dass ich mich ganz hektisch nach einem Weidezaun umsah...aber da war keiner. Kalman zuckte bloß mit den Schultern und hielt, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, weiter auf die Herde zu. Was sollten wir tun um uns nicht als ängstliche Weibchen zu outen ?, hinterher reiten natürlich und im Hinterkopf die mahnenden Worte Kalmans "vergesst das Dressurreiten, vertraut auf die Pferde". Dann sahen wir zur allgemeinen Beruhigung den Hirten samt seiner Hunde, und das auch noch vor der romantischen Kulisse eines der berühmten, alte Ziehbrunnen. Diese Szenerie ließ uns unsere Skepsis vergessen und die Fotoapparate zücken. Dass wir diese dann auch gut festhalten sollten, machte uns ein besonders fotoscheues Exemplar von Graurind deutlich. Es preschte von hinten an mich ran und wenn General, sowie die Hütehunde nicht für Abstand gesorgt hätte, tja dann hätte ich ein tolles Foto mehr.

Weiter ging’s an diesem Vormittag durch die wunderbare Einsamkeit, bis ganz plötzlich eine braune Welle auf uns zukam. Neugierig galoppierte eine Jungstutenherde um uns herum, wie im Film und wir mitten drin.

Ab und zu durchbrach ein herzhafter Freudenjodler von Christel die Ruhe, aber auch daran gewöhnten sich Kalman und die Pferde, so dass er später schon unruhig wurde wenn dieser länger als eine halbe Stunde ausblieb.

Am Nachmittag entspannten wir unsere müden Glieder im angenehm warmen Wasser eines Thermalbades in Hajduszoboszlo, be-schlossen (-gossen) den Tag mit Palinka und fielen dann wieder selig ins Bett. #9; #9; #9;

Und weiter: über Görbahaza, einem kleinen verschlafenen Ort, nach Tiszadob, immer entlang des westlichen Hauptkanals mit zum Teil schattenspendenden Bäumen, die wir bei mittlerweile 30°C und ersten Sonnenbränden als sehr angenehm empfanden. Und immer wieder, aus schierem Übermut der Reiter und der Pferde – Galopp! Galopp über Steppenpisten, auf den Deichen. Es ging über ca. 4m aufgeschüttet Bahngleise, durch erfrischende kleine Seen (shit, wenn man nur Chaps anhat), über ziemlich lange und wacklige Holzbrücken (zu Fuß mit tanzenden Pferden am Zügel) und alles gerahmt von einer Landschaft, die durch ihre Ursprünglichkeit und reiche Tierwelt besticht. Nicht zu vergessen das Mittagessen bei der netten Deichwärterfamilie, es gab Hühnersuppe und wir können bestätigen, dass nichts vom Huhn in der Suppe fehlte.

 

...Mittagspause mit Palinka, Borsodi und bester Stimmung
...Mittagspause mit Palinka, Borsodi und bester Stimmung

 

Ja und dann war er da, der letzte Tag, die letzte Tour, aber auch der langersehnte gestreckte Galopp. Keiner von uns hatte bisher die Möglichkeit dazu.

Der "Tokaj-Berg", richtungsweisend schon seit einigen Tagen, kam immer näher und ein Hauch von Abschiedsmelancholie legte sich über uns. Denn inzwischen sind uns die herzlichen, unkomplizierten Menschen lieb geworden, wie auch diese herrlichen, ausdauernden Pferde und die wunderschöne Puszta.

 

...Liane und Andrea einige Minuten nach dem gestreckten Galopp
...Liane und Andrea einige Minuten nach dem gestreckten Galopp

Aber dann war sie da, die letzte herrliche Steppenpiste und das schmunzelnde Nicken von Kalman. Frei von jedem Gedanken schwebten wir innerhalb weniger Sekunden über die Steppe, eins mit dem Pferd und tief auf ihren Hälsen, man hört nur den Wind und ist völlig überwältigt von dieser Losgelassenheit und möchte, dass es nie aufhört......das nenne ich Reiten! Aber alles hat ein Ende, so auch dieser Ritt, diese Tour; und glücklich und voller Dankbarkeit und mit dem Wissen noch sehr lange von diesen Empfindungen zu zehren, führen wir General, Sziszi, Piszra und Csalfa auf die Verladerampe. Noch ein letztes Leckerli, ein letztes Kraulen und das Auto setzt sich Richtung Pferdeheimat in Bewegung.

 

...in der Nähe von Hortobagy
        ... in der Nähe von Hortobagy   
...Andrea, Christel, Kalman und Liane (v.l.n.r.)
 ...Andrea, Cristel, Kalman und Liane (v.l.n.r.)                  

 

Wir Menschen verleben den letzten Abend in einem urigen Weinkeller in Tokaj, haben viel zu erzählen, viel zu lachen, sind entspannt und das nicht nur vom Wein.

Es hat sich gelohnt, auch wenn der Spaß kostet, aber er war in jedem Fall gerechtfertigt.

Meine Chaps habe ich bis heute nicht gereinigt und manchmal schnuppere ich an ihnen und stelle mir vor, wie ich auf General über die Puszta fliege...

 

... Route durch die Puszta
... Route durch die Puszta

Kontakt:

Gulyas Kalman
Iovasoktato
Esze Tamas u. 2/b.

H-5350 Tiszafüred



...der letzte Abend im Weinkeller
 ... der letzte Abend im Weinkeller

 

© Liane Kapitzki

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